Ecar etabliert sich langsam aber sicher in USA
Ecars - in Amerika der absolute Megatrend
In Amerika gilt es schon längst als chic, was in Europa immer noch kritisch beäugt geradezu bezweifelt wird. Wie beim Internet oder damals bei der Computerentwicklung könnte auch jetzt der entscheidende Impuls aus Kalifornien kommen. Dort setzt man fast uneingeschränkt die Hoffnungen auf Ecars. Entscheidendes Argument ist in Unabhängigkeit vom Öl zu kommen und dann auch was für das Klima zu tun.
Der Tesla Roadster
Im Silicon Valley haben die New Economy-Kapitalgeber die Investition Elektroauto für sich entdeckt und Automobilhersteller wie Tesla Motors mit Millionen finanziert.
Binnen nur fünf Jahren hat Tesla einen vollelektrischen Sportwagen zur Serie gebracht, der die meisten benzinbetriebenen Flitzer in der Beschleunigung locker in den Schatten stellt. Das Herzstück des Tesla Roadsters ist eine absolute kreative Neuerung. Den Strom für den elektrischen Antrieb liefern 6.831 kleine Lithium-Ionen-Akkus, die man von Laptops und Camcordern herkennt. Seinen ungewohnten Motor hört man dem Roadster sofort an – den man hört beim Anfahren kaum ein Geräusch. Dabei hat er unter der Haube allerhand Kraft. Was kaum ein straßentauglicher Sportwagen kann: von Null auf 100 km in 4 Sekunden! Zudem ist der Tesla sparsam: je nach Fahrstil verbraucht er umgerechnet rund 2 Litern Benzin auf 100 Kilometer natürlich als Strom und bietet eine Reichweite von bis zu 350 Kilometer. Danach ist er innerhalb dreieinhalb Stunden an einer Schnellladestation wieder komplett aufgeladen und einsatzbereit. Mit einem Preis vom 100.000 Dollar und einer relativ geringen Stückzahl pro Jahr ist der Tesla einigen wenigen Vorzeigepromis vorenthalten. Aber der Roadster zeigt trotz seinem stolzen Preis, was heute schon möglich ist und das ist der Punkt.
Europas Ecars stottert noch immer – die Nachfrage auch
Die Automobilindustrie steckt weltweit in einer tiefen Krise. Täglich kommen neue Hiobsbotschaften. Dazu kommt, dass das Klima unerlässlich auf von uns geschaffene Umweltverschmutzung zurückschlägt. Die Lösung aller Schwierigkeiten soll aus der Steckdose kommen. Elektro- oder Hybridautos gelten als innovativ, umweltbewußt und zukunftsweisend. Doch die Fachleute haben ihre berechtigten Zweifel an Ecars, da es noch viele ungelöste Probleme gibt.
Und dann ist da noch die staatlichen Subventionen, die man als Fahrt in Nirgendwo titulieren kann. Einerseits werden die Elektroautos als umweltverträglich und zukunftsweisend angepriesen. Es wird sogar ein zusätzliches Konjunkturpaket zur Förderung von Ecars geschnürt. Andererseits kämpft die Regierung für die Erhaltung schwergewichtiger Limousinen. Dann gibt es die allerseits umstrittene Abwrackprämie, die den Kauf von konventionell-angetriebener Autos massivst unterstützt. Teilweise sind Elektroautos von dieser Subvention ausgeschlossen.
Das Better-Place, ein Großprojekt in Israel
Die Strategien im Ausland sind eindeutiger. In Israel z.b. wird heute bereits ein flächendeckendes Netz für Elektrofahrzeuge aufgebaut. Das "Better-Place"-Projekt wird von der Regierung freigebig subventioniert. In Israel herrscht allerdings auch weitaus größerer politischer Druck und Interessenskonflikt gegen das braune Gold: Öl ist der größte Umweltverschmutzer dieser Zeit und der größte Finanzier des Terrors. Auch sind in Israel die Voraussetzungen andere: In Israel sind aber auch ganz andere Gegebenheiten: das Land ist gerade einmal so groß wie Hessen. Mit sieben Millionen Einwohnern ist Israel klein und groß genug für ein Versuchslabor wie dieses. Der Ex-SAP-Vorstand Shai Agassi, der zusammen mit Renault-Nissan in Israel das Netz für die E-Autos aufbaut. Dort sollen die leeren Akkus nach einem Pfandsystem nicht im Auto aufgeladen, sondern ausgetauscht werden.
Pilotprojekte in Berlin und London
Es kooperieren Auto- und Stromkonzerne. Auch in Europa laufen Pilotprojekte in Berlin und in London. In London z.B. zahlen die Fahrer in der Stadt keine City-Maut, haben zusätzlich steuerliche Vorteile. In Berlin sollen 100 eSmarts bereitgestellt sein und an 500 Stromtankstellen aufgetankt werden
Die Leistung der Elektroautos entspricht der vergleichbarer diesel- oder benzingetriebener Fahrzeuge. Die Reichweite liegt im Stadtverkehr bei 150 Kilometern. Für das Aufladen der Akkus sollen jeweils rund zwei Euro berechnet werden. Damit liegen die Kosten pro Kilometer deutlich unter denen eines Verbrennungsmotor. Überall wo man hinschaut schließen sich Auto- und Stromkonzerne zusammen, um die Vision eines bezahlbaren und reichweitenstarken Elektro- oder Hybridautos umzusetzen. Die Stromkonzerne müssen imagefördernde neue Geschäftsmodelle mit grünem Anstrich entwickeln. Die angeschlagenen Autokonzerne müssen Zukunftsfähigkeit beweisen. So kooperieren beispielsweise bei dem Berliner Projekt der Daimlerkonzern mit der RWE.
Der eine sagt so der andere so. Wem soll man glauben
„Für 2020 gehen selbst optimistische Schätzungen von gerade einmal zwei Millionen Ecars in Deutschland aus - bei einem Bestand von 50 Millionen Pkw.“ sagte VCD-Vorstandsmitglied Hermann-Josef Vogt. Dagegen spricht der RWE-Strategievorstand Leonhard Birnbaum: „In gut zehn Jahren werde jedes vierte verkaufte Auto voraussichtlich mit Strom angetrieben. Manche Spezialisten sagen für das Jahr 2025 bei der Zahl der Neuzulassungen eine Ablösung zu Gunsten der Elektro- und Hybridautos voraus. Daimler will daher bereits im Jahr 2012 mit der Produktion von Elektrofahrzeugen in nennenswerten Stückzahlen beginnen.
Was wurde aus den Brennstoffzellen?
Die Zauberworte hießen Brennstoffzellen und Biokraftstoff und es ist noch garnicht so lange her. Nach den damaligen Prophezeiungen der Industrie müssten heute PKW mit Brennstoffzellenantrieb längst normal sein. Davon ist noch lange nicht die Rede. Und Biokraftstoff erscheint in Zeiten steigender Lebensmittelpreise auch nicht mehr als zukunftsweisende Technik. Auch wo der Strom aus regenerativen Quellen für Millionen von E-Autos herkommen soll, ist noch völlig unklar.
Bei vielen Autozulieferern tritt man in Sachen Elektroauto auf die Optimismus-Bremse. „Rennen um die beste Batterie für den Elektrobetrieb ist leider kein Sprint, sondern ein endlos scheinender Marathon“.
Bei der Batterie-Entwicklung laufen die westlichen Autokonzerne hinterher. Denn auch die neuen Lithium−Ionen−Batterien sind immer noch nicht ausreichend erprobt, außerdem zu schwer, zu teuer und zu schnell leer. Der einzige Hersteller mit einem ordentlichen Batteriekonzept sei Toyota, so Autoexperte Ferdinand Dudenhöfer. Daher suchen sich die Konzerne immerwieder Verbündete aus dem High-Tech-Bereich mit deren Kompetenzen.
Profit durch PS und Hubraum
Viele Jahr hatten sich die großen Konzerne in den USA und Deutschland allerdings wenig für neue Technologien interessiert. Der Absatz von leistungsstarken Modellen versprach mehr Profit und machte auch mehr Spaß. Diese Zeit ist längst passé. Dank hohe Ölpreise und Wirtschaftskrise erst einmal ganz vorbei. Und neuerdings: der US-Präsident Barack Obama gibt die Strategie in Richtung Ecars vor. Jetzt schwenken die Unternehmer internationaler Konzerne nun eilig um. Ökonomie, Ökologie und Spaß am Fahren müssen sich künftig kombinieren lassen.
Der schnelle Roadster mit Elektroantrieb ist schick, schnell und äußerst beliebt bei den Schönen und den Reichen in USA. Slogan: „Burn rubber, not gasoline“. Aber die Kosten mit fast 100.000 $, wird dies auch in Zukunft ein Vergnügen der Reichen bleiben.
Bis dahin müssen die Entwickler noch viele technische Probleme meistern, auch ein flächendeckenden und einheitlichen Infrastruktur ist noch zu vieles im Argen. Daher erscheinen vor allen Dingen die Elektroautos weniger als die Hybridautos für Insellösungen geeignet, beispielsweise für den Lieferverkehr und Car-Sharing-Projekte in Großstädten. Oder für diejenigen, die es sich leisten können, mit ausgeprägtem Sinn für die Ökologie. Ob damit aber auf absehbare Zeit der Markt zu erobern ist, erscheint vorerst fraglich. Deswegen investieren die Autokonzerne auch weiterhin in die Entwicklung von effizienten Diesel- und Benzinmotoren. Auch diejenigen, die etwas zu sagen haben schränkten zum Schluss ein: „Elektroautos sind keine Lösung für alles.“
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