Vom Elektroauto Bausatz für 90 km/h
Bekannte nennen es mit nachsichtig-ironischem Lächeln „das Ding“. Wenn der Elektroauto Bausatz Experte von seinem Ding spricht, das in der Garage steht, sprudeln Zahlen aus ihm heraus: Kilowattstunden, Entfernungs- und Geschwindigkeits-Kilometer usw.... Maschinenbau-Ingenieur ist Exner. Das Optimieren des Wirkungsgrades von Anlagen ist seine Berufung. Das Ding dagegen ist Wagners Hobby und private Herausforderung, vor allem aber praktischer Beitrag zum Hype um die Elektromotorisierung. Seine fachkundige Meinung dazu bringt Wagner kurz auf den Punkt: „Wenn in ein herkömmliches Fahrzeug einen Elektromotor eingebaut wird mit einem Berg von Batterien, macht man doch aus einem großen Monster einen kleineres Monster. Ein Umdenken ist notwendig: Leichtbau und Beschränkung auf ein Minimum. 0,7 kWhel/100 km anstelle von 14 - 16 kWhel/100 km. Verringerte Technik mit einem geänderten Gesamtkonzeption von Mobilität bei vergleichbaren Fahrleistungen in der Stadt oder übers Land.
Mit der Denke von Wagner Schritt zu halten ist gar nicht so einfach. Dieses Ding, ein Liegedreirad umringt von Karosserie, das der Ingenieur mit einem Elektroantrieb, regelnder Elektronik und mechanischem Zwischengetriebe sowie einem Akkupaket ausgestattet hat, passt besser durch enge Ortschaften. Und wenn der sehr sportliche 46zig jährige Exner am Ortsende-Schild ordentlich in die Pedale reintritt, mag man nicht glauben, dass surrend ein Pedal-Antrieb-Dreirad davonfährt, bis man es mit dem Auto dann bei Landstraßengeschwindigkeiten um 90 km/h wieder einholen kann.
Wagner hat gerechnet, bevor er zu bauen anfing Der Elektroauto Bausatz Spezialist hat sich hingesetzt und gerechnet, bevor er mit Sorgfalt die Komponenten wählte und dann zu bauen anfing. Rechnen ist schließlich seine Aufgabe. Ein untrainierter Radfahrer leistet etwa 100 Watt. Ein guter Freizeit-Radsportler schafft dann schon 300 Watt. Beim Bahnsprint über eine kurze Distanz können da schon mal 2 kW an die Zahnradkurbel gebracht werden. Die Radrennreifen zum Beispiel müssen auf Abfahrten auch mal 100 km/h aushalten. Nur 38 kg wiegt das 2,85 Meter lange und 77 Zentimeter breite Velomobil „Quest“ aus Holland. Mit 5.000 € netto ist es nicht wirklich günstig. Außerdem hat das Gefährt enorme Lieferzeiten: Die Planung der Produktion des NL-Herstellers Velomobiel sieht vor, ein im Mai 2009 bestelltes Fahrzeug im September 2013 zu liefern. Wegen der Stabilität und weil das „Quest“ ein ausgereiftes Konzept ist, sollte es so ein TadpoleTrike für den Rennradler und Liegeradfahrer Wagner sein. Er ergatterte für den Elektroauto Bausatz ein gutes Gebrauchtes. Tadpole-Dreirad bedeutet: Es hat vorn zwei gelenkte Räder dazu ein angetriebenes Hinterrad. Alle drei Räder sind dabei vollverkleidet. Eine Karosserie war für Exner ein unbedingtes Muss. Mit wachsender Geschwindigkeit wird der Luftwiderstand zum Feind aller schnellen Radler. Das „Quest“ hat einen Luftwiderstandsbeiwert von etwa Cw 0,2 - der Porsche Cayman S mit Schaltgetriebe zum Vergleich: Cw 0,29. Das Resultat von Wagners Tüfteln: Möglich ist es, allerdings mit trainierten Waden und vom Steuerknüppel aus abrufbarer Motorkraft eine Dauerleistung von 650 Watt mit geringer Akkukapazität (1 kWh) an den Antritt zu bringen. Dann werden mit einem 80 kg wiegenden Fahrer trotz des Mehrgewichts des Modellbaus 75 km/h Geschwindigkeit möglich. Aussreichend Platz unter der Karosserie für einen zweiten Satz Akkus und damit für die Verdoppelung der Reichweite auf 280 Kilometer ist genügend vorhanden. Lediglich zwischen dem überdimensionalen 75er-Kettenblatt und dem über eine 35:1-Untersetzung in den Antriebsstrang eingreifenden Drei-Phasen-Wechselstrom-Außenläufer geht es etwas eng zu. Die Beschleunigungsvermögen ist fast unheimlich Alle Zahlen können nicht den Eindruck davon vermitteln, wie das elektrifizierte Velomobil auf der Straße wirkt: Dass es so leise ist, macht einem sein Beschleunigungsvermögen und das - für den Lenker nicht ganz - reibungslose Mitschwimmen im Verkehr fast geheimnisvoll. Abgesehen vom erheblichen Wendekreis wirkt ein Tadpole-Dreirad generell beim Rangieren mit Zurücksetzen unhandlich. Das Ganze hat einen Haken: Das Velomobil von Olaf Exner ist so, wie es ist, kaum zulassungsfähig für den deutschen Straßenverkehr. Würde der Ingenieur eine Zulassung etwa als Motorrad betreiben, müssten hauptsächliche Teile, die Reifen zum Beispiel, durch für diesen Fahrzeugtyp zugelassenes Material ersetzt werden. Das würde den Leichtbau und damit die besondere Leistungsfähigkeit dieses Velomobils vollkommen zunichte machen. Bekäme das Velomobil am Ende tatsächlich ein Motorrad-Kennzeichen, würde das an dem schmalen Heck wie etwa ein Bremsfallschirm wirken.
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