Das Norwegisches Think Elektroauto: Fjord - die machen was
Das Think Elektroauto, die Elektro-Avantgarde kommt aus Norwegen: Das kleine Unternehmen Think Global bringt einen der ersten Elektrowagen auf die Straße und überholt damit GM, Ford und Daimler.
„Sie haben den Wagen nicht abgewürgt, der Motor ist jetzt an“, sagt der Think-Mitarbeiter und zeigt auf die Konsole. Der Zündschlüssel dreht sich, aber es passiert nichts. Sollte es nicht vibrieren oder brummen? Die grüne Lampe leuchtet. Es genügt wirklich ein Druck auf das Gaspedal und schon schießt das kleine Elektroauto über den Platz hinter dem Genfer Messegelände.
Immer noch sind Elektroautos auf Deutschlands Straßen äußerst selten. Kein einziger großer Hersteller hat ein entsprechendes Serienfahrzeug im Sortiment. Die kleine Firma Think Global aus Norwegen dürfte deshalb zum größten Elektroauto-Hersteller Europas aufsteigen, vielleicht sogar zum größten der Welt. „Unser Werk hat eine Kapazität für 10.000 Pkws“, sagt Vorstandschef Jan-Olaf Willums.
Der Norweger war früher Chef von Volvo Petroleum, später gründete er die Solarfirma REC, die inzwischen an der Osloer Börse notiert ist. Willums und seine Mitarbeiter genießen auf dem Genfer Autosalon ihre Außenseiterrolle. Als einziger Aussteller hat Think seinen Stand außerhalb der Messehalle aufgestellt. Vom norwegischen Architekten Snøhetta hat sich Willums einen Stand in Form einer riesigen weißen Plastikkugel entwerfen lassen. Anders als die Automanager im Palais des Expositions tragen die Think-Leute keine Anzüge, sondern konzeptgetreu schwarze Kapuzenpullis und Baseballcaps.
Das Auftreten passt zu Ihrem Selbstverständnis: „Wir wollen tun, was zeitgemäße Firmen wie Google und Apple tun. Und das was Ford und General Motors nicht tun“, erklärte Willums kürzlich einer großen Finanzzeitung. Tatsächlich haben die Think-Mitarbeiter allen Grund, optimistisch zu sein. Die meisten Beobachter glauben, dass Elektroautos schon bald der probateste Ersatz für Verbrennungsmotoren sind.
Rechts an der Konkurrenz vorbeigezogen
GM arbeitet an einem Serien-Elektrofahrzeug, Renault-Nissan wie viele andere auch. Doch während etwa Daimler-Chef Jürgen Zetsche in Genf verkündet, sein Unternehmen habe als erstes den Durchbruch bei den unverzichtbaren Lithium-Ionen-Akkus geschafft, fahren hundert Meter vom Mercedes-Stand entfernt bereits Willums' an einen Smart erinnernde Wägelchen über das Messegelände. Mit eben diesen Batterien. Der echte Smart hingegen fährt, von einigen Testautos abgesehen, leider immer noch mit Benzin.
Der Zweisitzer Think City, das Think Elektroauto, ist bereits ab Mitte 2008 in Skandinavien und der Schweiz für etwa 20.000 Euro verkauft worden. Für 200 € Monatsgebühr wollen die Norweger zudem ein Abo für Strom, Batteriewartung und Versicherung anbieten. Das Unternehmen hat seitdem nach eigenen Angaben alleine in Norwegen 1500 Vorbestellungen. Als erster Kunde hat eine Energiegesellschaft im Berner Oberland, 200 Autos erhalten.
Das Auto ist vor allem für Unternehmen oder Gemeinden interessant, die Mobilität in einer Großstadt organisieren müssen. Wann der Think in Deutschland verkauft wird, will Willums nicht genau sagen. „Aber Bald“, verspricht er. Für Schnellstraßen und Autobahn ist der Wagen wohl eher nichts: Ganze 180 Kilometer weit kommt der Elektroflitzer - wenn man die Heizung aus läßt und nicht rast. Das wird allerdings ohnehin schwierig, bei 100 km/h Spitzengeschwindigkeit.
Think Elektroauto hat die Unterstützung von Google und Porsche
Obwohl Willums die großen Autofirmen mit Misstrauen beobachtet, hat er sich bei der Fertigung Hilfe von den Profis geholt und Porsche Consulting engagiert. Auch ansonsten hat der Norweger hochkarätige Ratgeber: Die bekennenden Elektroauto-Narren und Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page organisierten bereits 2007 in ihrer kalifornischen Zentrale eine Konferenz mit dem Titel „Rethinking Think“, um den Skandinaviern bei der Strategiefindung zu helfen.
Herausgekommen ist eine Geschäftsidee, die ein bisschen nach Web und Computerbranche klingt. Wie beim PC-Hersteller Dell sollen Think-Kunden ihr Fahrzeug über das Internet bestellen, erst dann, so Willums, werde das Fahrzeug gebaut. Die Autochen sollen zudem mit einem Funksender ausgestattet sein, damit der Nutzer per SMS abfragen kann, wie der Ladestand seiner Batterie ist.
Wenn der Think ein Erfolg wird, kann sich vor allem einer ärgern: der US-Autokonzern Ford. Er hatte die Elektroautofirma 1999 übernommen. 2006 verkauften die Amerikaner das Unternehmen an Willums - nachdem sie bereits 150 Millionen in Technologie und Patente investiert hatten. Der neue Besitzer musste den Wagen nur noch fertig bauen. Immerhin erinnert der Spitzname des Think Elektroauto an seinen früheren Besitzer - in der Auto-Branche heißt der Wagen „Fjord“.
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