Toyota Elektroauto: Toyota erweckt Fantasie mit einer Daimler-Allianz
Gemeinsam mit dem amerikanischen Unternehmen Tesla Motors will Toyota Elektroautos für den amerikanischen Markt entwickeln und produzieren. Das weltgrößte Automobilunternehmen beteiligt sich an dem Elektroautopionier. Das schürt Fantasien einer Allianz von Toyota und Daimler.
Toyota investiert 50 Mio. Dollar in den ortsansässigen US-Elektroauto-Hersteller. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen Autos entwickeln und Unterstützung bei Fertigungssystemen leisten, gaben der von einer Pannenserie geplagte japanische Branchenprimus und Tesla im kalifornischen Palo Alto bekannt.
Vor fast einem Jahr hatte die Daimler AG für ebenfalls 50 Mio. Dollar 10% an Tesla erworben, den der Stuttgarter Autobauer teilweise an seinen Anker-Aktionär Abu Dhabi weitergegeben hat. Toyota wird nun für die gleiche Summe „wahrscheinlich“ einen geringeren Anteil an Tesla Motors bekommen. Der definitive Prozentsatz steht noch nicht fest und hängt von Teslas beabsichtigtem Börsengang ab. Der Schritt an den Kapitalmarkt wird von der Daimler AG unterstützt, wenn auch sich der Anteil der Stuttgarter am dem US-Unternehmen dadurch etwas verringern wird.
Daimler befürwortet Toyotas Einstieg. „Er bringt das Thema Elektromobilität voran. Die Zusammenarbeit zwischen Daimler und Tesla beeinträchtigt das wenig.“ Der Stuttgarter Konzern sehe seine Strategie durch Toyotas Einstieg bestätigt: „Wir sind ein Jahr voraus.“ Außerdem hat die Daimler AG einen Sitz in Teslas Verwaltungsrat. Derartiges wird Tesla Toyota nicht einräumen.
Wie sieht das Auto zukünftig aus? Mit welchem Antrieb fährt es? Wer produziert es mit welchem Geschäftsmodell?
Toyota will das Werk in Fremont weiterführen und hat vielleicht langfristig eine mittelbare Allianz mit Daimler im Blick. Wahrscheinlich ist das wichtiger als Teslas Know-how. Toyota und Daimler streiten das ab, dass ein Ausbau der neuen, indirekten Zusammenarbeit geplant sei – auch wenn das als sinnvoll betrachtet und sie vor allem von der Größenordnung spannend wäre.
Die Partnerschaft von Tesla mit Toyota Elektroauto könne auch eine ganz andere Ursache haben: „Vielleicht will Daimler sein Engagement nicht mehr fortführen.“ Diese Vermutung jedoch weisen die Stuttgarter ab: „Wir halten an unserem Anteil fest. Die Zusammenarbeit läuft sehr gut. Wir sind vom Unternehmen Tesla Motors überzeugt.“
Toyota und Tesla wollen gemeinsam Fahrzeuge in der gerade stillgelegten Fabrik in Kalifornien bauen und 2012 auf den Markt bringen. Nach Aussagen von Tesla-Chef Elon Musk wird in der Fabrik im kalifornischen Fremont eine jährliche Produktion von 20.000 Autos angestrebt, darunter der Teslas Model S, das im Frühjahr 2012 in den Verkauf gehen soll. Das Werk in Fremont hatte Toyota davor zusammen mit General Motors betrieben, bevor der US-Autobauer ein Insolvenzverfahren durchlaufen hat.
Anfangs sollen 1.000 Beschäftigte daran arbeiten. Langfristig ist die Erschaffung von 10.000 Arbeitsplätzen geplant. Nach seinem unumstrittenen Erfolg mit Hybrid-Autos wie dem Prius will Toyota Elektroauto mit der Kooperation nicht nur sein Engagement bei umweltfreundlichen Autos vorantreiben. Branchen-Kenner vermuten auch Toyotas Versuch, sein beschädigte Image auf dem US-Markt aufzupolieren.
Toyota hatte nach einer beispiellosen Pannenserie weltweit mehr als acht Mio. Autos zurückgerufen, um Gaspedale und Fußmatten in den Fahrzeugen reparieren zu lassen. Drei von vier betroffenen Fahrzeuge sind in den USA zugelassen. Wegen kurzzeitig aussetzender Bremsen mussten zudem fast eine halbe Million Hybridfahrzeuge in die Autowerkstätten zurück. Zudem musste der japanische Autokonzern den Rückruf von weltweit weiteren 11.500 Lexus-Modelle wegen Problemen mit der Lenkung bekannt geben.
Tesla bereitet ihren Börsengang vor. Mit dem Schritt will das Unternehmen rund 100 Mio. Dollar frisches Geld in deren Kasse spülen. Dazu verfügt das Unternehmen über einen 465 Mio. Dollar Kredit der US-Regierung. Weil das Unternehmen, das bereits mehr als 1.000 Exemplare seines ersten Modells Roadster verkauft hat, bisher Verluste von insgesamt 230 Mio. Dollar angehäuft hat, bezweifeln Analysten jedoch, dass es über ausreichend Geld für den notwendigen Aufbau einer Produktion und deren Erweiterung sowie für die Entwicklung verfügt.
Der Elektroauto-Pionier hat mit dem Sportwagen Tesla Roadster, der über 100.000 Dollar kostet, für Furore gesorgt. Das Model S soll familientauglich sein, bis zu sieben Personen Platz bieten und unter Berücksichtigung von Steuerbegünstigungen keine 50.000 Dollar kosten. Tesla liefert überdies die Lithium-Ionen-Batterien für 1.500 e-smarts der neuen Generation an die Daimler AG.
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